Mit einem  erstklassigen Vortragsprogramm ist der erste eCommerce Logistik-Day am 10. November im Conference Center der Vienna Twin Towers zu Ende gegangen. Erfahrene Praktiker, Logistikanbieter, Dienstleister und Berater nutzten das vom Institut des Interaktiven Handels (IDIH) und dem Fachmedium Logistik express gemeinsam initiierte Podium zu einem intensiven Erfahrungsaustausch. Im Fokus standen die Megatrends der Logistik im eCommerce und Multichannel-Handel – wie etwa die die Automatisierung von Paketfabriken, innovative Zustellservices, die Same-Day-Belieferung sowie das optimale Handling von Datenströmen.

leIm Internet ist der Kunde nur einen Mausklick von seiner Kaufentscheidung entfernt. Trotzdem stellt es die Marktteilnehmer vor große Herausforderungen, der Wachstumsentwicklung sowie den permanent steigenden Kundenerwartungen optimale Angebote entgegenzusetzen. Auf dem eCommerce Logistik Day in Wien wurde deutlich, dass besonders in der logistischen Abwicklung von Online-Bestellungen einer der größten Knackpunkte liegt. „Der Markt ist völlig unberechenbar“, brachte Bernd Kratz, Inhaber der EMA – Executive Management Advisors GmbH und Mitgesellschafter des IDIH die wichtigste Aufgabenstellung des internetgetriebenen Handels auf den Punkt. Man wisse nicht was morgen passiert. Das einzige, was sicher sei, ist, dass man das, von dem man nicht weiß in welche Richtung es geht, morgen schon erfüllen muss.

Der große Tenor der Veranstaltung lautete daher: Der Online- und Multichannel-Handel fragt nach einer agilen und in höchstem Maße kundenorientierten Logistik – sowohl in den innerbetrieblichen Abläufen der Paketfabriken als auch in den nachgelagerten Versand- und Zustellprozessen. In den Vorträgen wurde deutlich, dass die Anforderungen und Lösungsansätze dafür in jedem Unternehmen sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Sowohl der schwedische Möbelhändler IKEA, als auch der Büro-, Betriebs- und Lagerausstattungsanbieter Kaiser + Kraft, der deutsche Online-Supermarkt allyouneedfresh.de oder die österreichischen Lebensmittelkette Unimarkt: Jedes Unternehmen bringt sein eigenes Geschäftsmodell sowie seine eigenen, individuellen Rahmenbedingungen mit – bisweilen aber auch sehr unterschiedliche Kundenerwartungen.  Die große Kunst des erfolgreichen Marktauftritts als Online- und Multichannel-Händler liegt darin, zu verstehen was der Kunde wirklich will, und auf dieses Verständnis flexible und geschäftsoptimierte Prozessabläufe aufzubauen.

Auf der Veranstaltung fiel auf: Besonders die auf Automatisierung spezialisierten Logistikanbieter bewältigen die intralogistischen Herausforderungen an das eCommerce-Geschäft auf sehr unterschiedliche Weise. Während der in Hart bei Graz beheimatete Logistikautomatisierer KNAPP im Lager des holländischen Online-Händlers Wehkamp auf ein Shuttlesystem mit One-Stop-Order-Finish in weniger als 30 Minuten setzt, baut der Schweizer Logistikautomatisierer Swisslog in seinem auf der Veranstaltung vorgestellten Kundenlösung „Brack.ch“ auf das intelligent vorwärts denkende Roboter-System Autostore, mit der sich schnelle Versandprozesse bei 60 Prozent Platzersparnis gegenüber herkömmlichen Lagersystemen erreichen lassen.

Der Kontraktlogistiker BLG Logistics Group geht in seiner preisgekrönten Logistiklösung für seinen auf Berufsbekleidung spezialisierten Kunden Engelbert Strauss, wiederum einen anderen Weg. Auf der ehemals von Neckermann betriebenen Logistikfläche in Frankfurt kommt ein innovatives und in der Dimensionierung völlig flexibles Ware-zur-Person-Logistiksystem zum Einsatz, bei dem sich mobile Regeleinheiten selbständig zur Warenentnahme und Retouren-Wiedereinlagerung  zu den Arbeitsstationen bewegen.

Ähnlich wie für die Intralogistik zeichnete sich auf der Veranstaltung zwar einige Trends für die Logistik auf der letzten Meile wie die steigende Erwartung der Käufer für die taggliche Zustellung von Online-Bestellungen ab. Die jeweilige Best-Practice-Lösung für die Paketlogistik leitet sich jedoch immer aus der Sortimentsstruktur sowie den individuellen Wünschen und Präferenzen der Online-Kunden ab. Günter Birnstingl, Managing Director bei DHL Paket Austria, forderte die Akteure des Österreichischen Online-Handels deshalb auf, den Dialog mit den Logistikpartnern zu intensivieren, um das Angebot bei den Zustellservices insgesamt flexibler zu gestalten – von den angebotenen Zustelloptionen über die dazugehörigen Zustellinformationen bis hin zu den von den Kunden präferierten Zustellorten.

Dass ein großes, teilweise aber noch wenig genutztes Potenzial in der Organisation von Daten und Informationsströmen liegt: Auch diese bisweilen sehr interessante Erkenntnis brachte die Veranstaltung in einigen Vorträgen zu Tage. In gewissen Bereichen fehlt es noch an einheitlichen Datenstandards über die gesamte Lieferkette des Online-Handels hinweg, stellte zum Beispiel der Vortrag des Dienstleistungs- und Serviceunternehmens GS1 Austria fest.

Stephan Grad, CEO der Online-Strategieberatung A-COMMERCE machte in seinem Vortrag darauf aufmerksam, dass die von Logistikern erhobenen Daten bisweilen richtig wertvoll seien können – etwa, wenn es um die Ausgestaltung von Online-Bezahlsystemen oder die Durchführung Trendscouting- oder Warensortimentsanalysen geht. Mit Blick in die Zukunft riet er Logistikern deshalb dazu, sich neben dem eigentlichen Logistikgeschäft verstärkt auch auf den Aufbau von Smart Data Warehouses für den Online-Handel zu konzentrieren.

Am Ende eines von Informationen und zahlreichen Networking-Gelegenheiten geprägten Tages bot der erste eCommerce-Day den Teilnehmern die Möglichkeit, einen ersten exklusiven Blick hinter die Fassaden des neuen DHL -HUBs in Wien-Liesing zu werfen. Dort zogen nicht nur die Besucher, sondern insbesondere auch die DHL Paket (Austria) GmbH als Sponsoringpartner, ein äußerst positives Resümee von der Premierenveranstaltung. Das neue Veranstaltungsformat für die Logistik im Online- und Multichannel- Handel wird deshalb aller Voraussicht nach bereits im kommenden Herbst zu einem ähnlichen Termin in die nächste Runde gehen.

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